Studiensemester an der University of Hull, GB

Geschrieben von "Redaktion" am 26. August 2009 | Abgelegt unter Studiensemester

Christine Gießler
cristin.giessler@web.de
Studiengang Soziale Arbeit BA
University of Hull, GB
Sommersemester 2009

 
Den ersten Kontakt zu der Hochschule hatte ich ca. ein halbes Jahr vor Antritt meiner Reise, da es sich schwierig gestaltete, passende Kurse zu finden, die ich in England studieren konnte. Nachdem ich aber einfach jemanden aus dem zuständigen Fachbereich angeschrieben hatte, erhielt ich auch recht bald Antwort und Hilfestellung bezüglich des Learning Agreements. Ebenso in Bezug auf die Unterkunft hat mir die Universität sehr weitergeholfen. Eigentlich musste ich nichts anderes tun als ein Formblatt auszufüllen und mich und meine Gewohnheiten darauf zu beschreiben.

Dass ich dann in einem der wenigen noch nicht renovierten Studentenhäuser gelandet bin, war wohl ein großer Zufall, was mich aber zugegebenermaßen zu Beginn meines Aufenthaltes doch sehr störte. Qualitäts- und Hygienestandards weichen dort ein wenig von den Unsrigen ab, woran ich mich aber nach ein paar Wochen gut gewöhnen konnte und mein Haus und vor allem Mitbewohner sehr zu schätzen gelernt habe. Dies lag aber nicht zuletzt daran, dass ich bei der zuständigen Accomodation Office der Universität darum gebeten hatte, das Zimmer innerhalb des Hauses tauschen zu können und den Teppich in meinem neuen Zimmer erneuert zu bekommen. Diesen Wünschen wurde dann auch nachgekommen.

Schon bei der Ankunft wurden wir rundherum perfekt betreut. Eine Gruppe ausländischer Studenten hat uns vom Flughafen abgeholt und uns zum Treffpunkt in Hull begleitet. Auch das erste Wochenende war vom International Office organisiert, so dass es einem wirklich leicht gemacht wurde, viele neue Leute, den Uni-Campus und auch die Stadt Hull selbst, kennenzulernen. Durch den Eintritt in die International Student Asscociation (ISA), eine Art Verbindung von ausländischen Studenten, in der es über 2000 Mitglieder aus aller Welt gibt, wurde man auch ständig auf dem laufenden gehalten, was Ausflüge, Parties oder sonstige Veranstaltungen betraf. So kam es, dass ich bereits nach sieben Tagen in England das Land wieder verlies und mich einem Trip der ISA nach Amsterdam anschloss. Abgesehen davon wurden noch diverse andere Ausflüge angeboten, die in der Regel billiger waren als privat organisierte Trips und außerdem meistens viel Spaß versprachen. Außer Amsterdam besuchte ich noch Liverpool und Newcastle mit der ISA.

Ich denke, durch diese große internationale Vereinigung und auch die ständigen Treffen und Angebote kam es, dass ich, abgesehen von meinen Mitbewohnerinnen, nur sehr wenige einheimische oder englische Studenten kennengelernt habe. Auch ging der Kontakt zu den Kommilitonen über die Vorlesungen nur selten hinaus. Ich empfand das allerdings nicht als Nachteil oder ähnliches. Mein Freundeskreis bestand aus derart vielen Nationen und mit mir als der einzigen Deutschen, was ich als sehr positiv empfand. Nicht nur der Sprache wegen, sondern auch aus kulturellen Gründen. Nicht selten unterhielten wir uns über kulturelle oder politische Unterschiede oder sprachen über die jeweiligen landestypischen Stereotype, was ich als sehr bereichernd empfunden habe.

Auch was die Uni und meinen Fachbereich betrifft, habe keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil. Noch vor Beginn meiner Vorlesungen hat mit ein Dozent angeboten, mit ihm zu besprechen, was im kommenden Semester auf mich zukommen wird. Ich habe Bücher bekommen, um mich in das Thema einzulesen und einen Einblick in das englische Sozialsystem zu erhalten. Alles in allem waren Dozenten und Mitarbeiter des Fachbereichs wirklich sehr hilfsbereit und kooperativ.

Der Unterricht war fast ausschließlich im Vorlesungsstil gehalten, was ich auf Dauer wohl als weniger positiv bewerten würde. Was jedoch auffällig war, war der Umgang zwischen Lehrenden und Studierenden untereinander. Während in Deutschland oft ein eher rauer Umgangston herrscht, ist dieser in England viel freundlicher. Grundsätzlich wird jeder beim Vornamen genannt, was das Kommunizieren schon viel persönlicher macht.

In den meisten Fällen empfand ich die Vorlesungsinhalte als sehr spannend, vor allem dann, wenn die Sichtweise auf manche Probleme in England von der in Deutschland abgewichen ist. Sprachliche Schwierigkeiten den Vorlesungen zu folgen hatte ich keine.

Insgesamt hat mir das vergangene Semester sehr viel Spaß gemacht. Vor allem den Kontakt zu den vielen Studenten aus der ganzen Welt möchte ich nicht missen. Aber auch die Möglichkeit zu sehen, wie das Fach Soziale Arbeit in einem anderen Land behandelt und unterrichtet wird, war sehr interessant für mich.

Ein Highlight aber war definitiv der Besuch der Queen in Hull. Glücklicherweise hatte ich das noch rechtzeitig erfahren und so kam es, dass ich dabei sein konnte wie Queen Elizabeth mit Prince Philip den Bahnhof von Hull einweihte.

Auch wenn die Stadt Hull auf den ersten Blick sehr heruntergekommen und wenig attraktiv wirkt, sind es doch eigentlich immer die Menschen, die am wichtigsten sind und die, so war es jedenfalls bei mir, ein Auslandssemester zu dem machen, was es ist. Ich kann also nur jedem empfehlen sich zu bewerben.

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