Studiensemester an der Universidad de Granada, Spanien

Geschrieben von "Redaktion" am 26. Mai 2010 | Abgelegt unter Studiensemester

Tobias Kafka
Studiengang Soziale Arbeit
tobias.kafka@gmx.de

Universidad de Granada, España
Wintersemester 2009/2010

 

Vorbereitung

Um an dem ERASMUS Programm teilnehmen zu können, muss man gewisse Voraussetzungen mitbringen. Als Beispiele wären der Sprachnachweis (Niveau B1) oder ein abgeschlossenes Grundstudium zu nennen. Nähere Informationen bekommt ihr im Auslandsamt bei Herrn Garrelts oder Frau Robert. Empfehlenswert ist es, sich frühzeitig mit ihnen in Kontakt zu setzen, um eventuelle Probleme oder sonstige Anliegen zu klären. Ich habe es so ca. ein Jahr davor gemacht. Es langt sicherlich auch ein halbes Jahr davor, aber ich war davor noch in Madrid zum Studieren und musste daher alles abklären.

Ankunft Granada

Vom Flughafen Frankfurt a.M. besteht die Möglichkeit über Madrid oder Málaga nach Granada zu gelangen. Von Madrid sind die Alternativen ein Weiterflug oder mit dem Bus ca. 5 Stunden nach Granada zu fahren. Von Málaga aus kommt man nur mit dem Bus hin. Ab Madrid kostet der Bus 16,-€ und ab Málaga 10,-€ (www.alsa.es). Man kommt schon mit Lufthansa ab 99,-€ nach Madrid oder ab ca. 140,-€ nach Málaga.

Also, angekommen am Flughafen oder Busbahnhof in Granada nehmt ihr den Bus Richtung Zentrum. Ich habe mir erst mal ein Hostel genommen, um nach einem Zimmer zu suchen. Achtet darauf, dass Internet vorhanden ist, sonst wird es blöd. Immer vor der Buchung genau nachfragen!

Der Wohnungsmarkt in Granada ist ganz in Ordnung. Es gibt viele Angebote, wobei aber auch ziemlich viel wenig ansprechende Angebote dabei sind. Man muss für ein halbwegs ordentliches Zimmer mit Internet zwischen 170-250€ rechnen. Das ist relativ günstig. Üblich ist, dass eine Monatsmiete als Kaution hinterlegt werden muss. Es gibt viele Vermieter, die nur Studenten nehmen, die für ein ganzes Jahr bleiben, dann kann man zwar das Zimmer nehmen, muss sich aber selbst um einen Nachmieter kümmern, Findet ihr also keinen, zahlt ihr weiter, ist auch vertraglich festgelegt. Internetseiten für die Suche sind segundamano.es, loquo.com, madridfuerdeutsche.de, idealista.es oder pisocompartido.es. Gute Barrios (Viertel) zum Wohnen sind rund um den Plaza Gran Capitán oder Pajaritos. Letzteres ist zwar nicht im Zentrum, aber Granada ist so klein, dass man in 5-10 Minuten überall hingelaufen ist.

Was noch wichtig ist, wenn ihr im Winter dort seid: Heizungen in den Wohnungen sind die Ausnahme. Über 80% der Wohnungen haben keine Heizung. Es wird dann schon richtig kalt im Zimmer. Ihr müsst euch dann eine Elektroheizung kaufen (wenn nicht schon eine vom Vormieter da ist) und dadurch wird die Stromrechnung in den Wintermonaten richtig teuer.

Der Hauptcampus liegt im Nordwesten der Stadt, ein wenig außerhalb und zu Fuß ca. 45 Minuten vom Zentrum entfernt. Dort sind fast alle Fachbereiche untergebracht. Der Fachbereich für Sozialwissenschaften liegt im Zentrum. Optimal, besser geht’s kaum. Die Fakultät ist ziemlich geil. Gut überschaubar und, wie in Spanien üblich, mit eigenem Café mit Terrasse. Ist im Sommer herrlich, um noch das ein oder andere Bier zu trinken. Die Fakultät erreicht man am besten zu Fuß, weil sie mitten in einer kleinen und viel befahrenen Straße liegt. Genau gegenüber ist auch eine kleine Mensa und zwei Minuten weiter die große Mensa. Das Essen ist ganz akzeptabel und kostet in der kleinen Mensa 3€ mit Bier oder Wein (Wasser ist gratis) und in der großen Mensa 4€ ohne Bier oder Wein. Also wo man hingeht, ist ja wohl hoffentlich klar!!!

Das Büro für ERASMUS (Relaciones Internacionales) der Fakultät findet ihr im Erdgeschoß, 10 Meter auf der linken Seite nach dem Haupteingang. Die Mitarbeiter dort sind super freundlich und hilfsbereit. Das Büro ist immer vormittags geöffnet. Das Hauptbüro für Internationale Angelegenheiten ist ca. 10 Minuten von dort entfernt, dort immatrikuliert man ich offiziell.

Einen Sprachkurs gibt es auch, der Kostet allerdings 100,-€ (bis Niveau A2) und ab 300,-€ für die höheren Niveaus.

Im Learning Agreement habt ihr ja eigentlich schon eure Vorlesungen festgelegt. Aber wenn ihr da seid, müsst ihr, wie so üblich bei ERASMUS, alles durchstreichen und noch einmal neu festlege, denn meistens hat man Vorlesungen aufgrund eines alten Vorlesungsverzeichnis ausgewählt oder Vorlesungszeiten haben sich geändert und überschneiden sich… Schreibt also euer Learning Agreement und macht euch nicht allzu viele Gedanken darüber. Ich musste meins auch komplett abändern, habe ich aber schon von Madrid her gekannt. Es gibt aber ein Datum und bis dahin müsst ihr euch verbindlich festlegen. Die Kurse sind danach auch nicht mehr änderbar.

In Granada wird sehr schnell und vor allem überwiegend andaluz (andalusisch) gesprochen. Ihr werdet am Anfang viele Probleme haben. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Am Ende des Semesters versteht ihr dann schon, was ihr eigentlich so studiert habt oder haben solltet. Professoren, die ich empfehlen kann sind GIMENEZ LOPEZ,DULCE (Sociología de la Mujer) und OLMOS ALVAREZ, MARIA LUISA (Trabajo Social Individualy Familiar y Trabajo Social Grupal). Was man noch wissen sollte: Man muss in Spanien sehr oft Bücher lesen und dazu dann Zusammenfassungen schreiben, und viele Hausarbeiten als Voraussetzung für die Zulassung zu den Prüfungen. Damit kann man manchmal vorher schon viele Punkte sammeln und die Note verbessern. Ist von Professor zu Professor unterschiedlich.

Der Beginn ist nicht leicht. Man kommt nicht sofort mit Spaniern in näheren Kontakt. Sie helfen einem aber immer, wenn man nachfragt. Doch mit der Zeit wird es immer besser. Mit ERASMUS-Studenten steht man ständig in Kontakt. Man hat ja schließlich die gleichen Probleme und hilft sich immer wieder untereinander. Daraus ergeben sich dann auch die Kontakte für die nächtlichen Partys. In Granada sind mehr ERASMUS -Studenten, als in ganz Spanien insgesamt, an erster Stelle die Italiener, dann kommen auch schon die Deutschen. Aber seht zu, dass ihr viel Kontakt mit Spaniern habt, das funktioniert in den Vorlesungen und über die Gruppenarbeit. Dann erst lernt ihr, was ein Auslandssemester bedeutet. Ihr müsst einfach auf sie zugehen, auch wenn es mit der Sprache noch nicht so hinhaut. Ich hatte verdammt viel Kontakt und das war eine der besten Erfahrungen überhaupt.

Nun zum Vergnügen. In Granada gibt es jede Woche unzählige Partys auf denen man anwesend sein sollte. Ein Muss am Wochenende ist das „Botellon“ beim Hipercor in der Nähe vom Plaza Einstein. Bottllon ist ein großes und öffentliches Vortrinken. Da sind jedes Mal so zwischen 1000-2000 Leute anzutreffen. Und danach geht’s Richtung Disco oder zu den privaten Partys. Durch Organisationen wie z.B. ESN (European Student Network) oder ähnliche werden Partys in Discos oder auch Tages- und Wochenendausflüge in zahlreiche Städte organisiert. Dies ist sehr preiswert und man hat immer einen Guía (Touristenführer) dabei, der die wichtigsten Dinge erklärt.

Die Preise in Granada sind sehr human. Man zahlt sich nicht zu Tode, wie beispielsweise in Madrid. Und das Schönste an Granada ist, dass man Tapas GRATIS dazubekommt. Sprich, ihr bestellt euch ein Bier oder eine Cola und könnt euch, je nach Bar, die Tapas dazu aussuchen. Und man wird wirklich nach zwei bis drei Runden satt. Und die Preise für die Getränke sind geschenkt, durchschnittlich zwischen 1.60€ bis 1.90€ pro Getränk. Billiger geht’s nicht. Und es gibt zahlreiche „Tapasbars“ die hervorragend sind. Viel selber kochen müsst ihr also nicht.

Etwa nur eine halbe Stunde entfernt liegt die Sierra Nevada zum Wandern oder Skifaheren. .Einen Ausflug dorthin sollte man auf jeden Fall mal gemacht haben. Außerdem bietet die Stadt viele schöne „Miradores“, also Aussichtspunkte. Diese liegen über dem Viertel Albaicín, sehr schön und typisch arabisch. Man kann dort sehr guten arabischen Tee trinken und das Ambiente genießen. Sehr empfehlenswert. Davon mal abgesehen, die wohl das Hauptspektakel die Alhambra, die wohl berühmteste Stadtburg der Welt. Dafür muss man einen halben Tag einplanen und Tickets kann man sich vorher übers Internet bestellen. Die Anfahrt ist von Stadtzentrum aus mit dem öffentlichen Bus oder zu Fuß zu erreichen (ca. 1 Stunde).

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale, El Parque de Sciencias (Wissenschaftspark), La Plaza de Toros, verschiedene kleine Parks und „La Ruta de Tapas“. Aber versucht auch so viel wie möglich zu reisen, um einfach so viel wie möglich von Spanien zu sehen.

Gewinn fürs Studium

Nachdem ich ja direkt nach meinem Auslandssemester in Madrid nach Granada weitergereist bin, hatte ich mit der Sprache keinerlei Probleme mehr. An der Uni habe ich fünf Vorlesungen besucht, die alle recht interessant und sehr praxisbezogen aufgebaut waren. Ich musste unzählige Haus- wie Gruppenarbeiten machen und diese helfen einem wirklich, den Inhalt besser zu verstehen. Ich habe auch alle Prüfungen ohne Probleme bestanden und konnte sie mir alle anrechnen lassen.

Für mich persönlich war mein Auslandsstudium eine der schönsten Erfahrungen während meines Studiums. Man bekommt Einblicke in spanische Lebensgewohnheiten sowie in die Bildungsinhalte. Es ist sehr interessant, die Unterschiede im Aufbau einer Vorlesung, im Fächerangebot oder der Durchführung der Lehre zwischen Spanien und Deutschland zu sehen. Für mein Studium war es fachlich eine große Bereicherung.

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