Sommersemester 2012 Auslandspraktikum in Malmö

Die Entscheidung, wo ich mein Auslandssemester absolvieren sollte, wurde durch die Liste der Partnerhochschulen meiner Universität entschieden. „Soziale Arbeit auf Englisch in Europa studieren“ war mein Grundgedanke, als ich mir die Liste durch las. Schweden hatte mich immer interessiert, ich wäre wohl irgendwann mal in den Urlaub dorthin gefahren. Als ich die Auswahl zwischen Malmö und Växsjö hatte, war die Entscheidung für die Großstadt schnell gefallen. Ich lebe in Deutschland auf dem Land und wollte das Leben in der Großstadt kennen lernen. In meiner Fantasie gab es dort viel mehr Freizeitmöglichkeiten und ein besseres Studentenleben. Mit meinen blonden glatten Haaren und meinem schwedischen Vornamen würde ich schon gut in das Land passen, dachte ich mir.

Da gerade Ferienzeit war gestaltete dich die Organisation und Bewerbung etwas schwieriger. Viele der für bestimmte Formulare zuständige Kräfte befanden sich im Urlaub und es war nervenaufreibend Vertretungen zu finden, die die Formulare unterschreiben durften. Am Ende hat jedoch alles rechtzeitig geklappt.

Im Vorfeld erhielten alle AustauschstudentInnen ein Handout per E- Mail mit Informationen über das Land, über Uni und Studium, zum Flughafen, mit wichtigen schwedischen Vokabeln, mit nützlichen Internetlinks zum Thema Nachrichten und Radio, Aufenthaltsgenehmigung, Handynutzung und vieles mehr. Dieses Handout erwies sich als sehr nützlich und ich verwendete z.B. einige hier angegebene Links.

Ankunft in Malmö

 

Bei meiner Ankunft am Hauptbahnhof in Malmö standen bereits deutlich mit Warnwesten gekennzeichnete „Buddies“ auf dem Gleis um alle Neuankömmlinge abzuholen und in das „Studentcentrum“ zu bringen, in dem die ersten Einweisungen stattfanden. Hier erhielten wir unsere Wohnungsschlüssel, unterschrieben den Mietvertrag und Versicherungsvertrag, kauften unsere Schwedischbücher, Kopfkissen und Decken und konnten die ersten Annäherungsversuche zu anderen AustauschstudentInnen unternehmen. Anschließend fuhren uns freiwillige HelferInnen zu unserer Unterbringung. Meine Fahrerin hatte selbst keine Ahnung, wo das Studentenwohnheim liegt, ließ mich vor dem Areal „Sege Park“ aussteigen und ich begann mich durchzufragen. Man verwies mich auf mehrere blaue Häuser Ende und zog am Ende in das Zimmer ein, zu dem mein Schlüssel passte. Ich wohnte in einem erst eineinhalb jährigen Studentenheim namens „Sege Park“ am Rande der Stadt, in dem jede/r BewohnerIn eigene Küche und eigenes Bad besaß. Dies erschien mir recht luxuriös und ich genoss die Zeit dort zu wohnen. Jedoch war mein Apartment abstoßend und auffällig verdreckt, als ich einzog. Die zuständige Immobiliengesellschaft MKB reagierte verhalten und teilweise gar nicht auf meine Kontaktversuche. Immerhin hatte ich zum Auszug durchgesetzt nicht putzen zu müssen, die Gesellschaft würde eine Putzfirma schicken. Repariert wurde bis zu meinem Auszug nichts. In meinem Bewerbungsschreiben um ein Zimmer gab ich an, viele Lebensmittelunverträglichkeiten zu haben und darum gebeten nach Sege Park zu kommen, da man dort eine eigene Küche hätte und ich auch eigenes Brot backen müsste, aufgrund einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Im Endeffekt war ich die einzige aus 150 AustauschstudentInnen, die keinen Herd hatte. Ich hatte keine Ahnung, wo die Bushaltestelle, der nächste Supermarkt oder in welche Himmelsrichtung die Universität lag. Ein Glück waren schwedische Nachbarn im Haus, die mir helfen konnten. Da in meinem Haus jeder für sich lebt und es keine Gemeinschaftsräume, etc. gibt war das nicht selbstverständlich. Zu dem waren die meisten Schweden bei meiner Ankunft noch zu Hause, da gerade eine Woche frei war. Im Verlaufe des Semester stellte sich heraus, dass ich als einzige Austauschstudentin in diesem Gebäude untergebracht war. Es gab noch zwei weitere, die auf dem gleichen Gelände wohnten. Dies führte zu einer gewissen Isolation, da viele Pläne und Aktivitäten in den Gemeinschaftsküchen der anderen Wohnheime geschmiedet wurden. Natürlich habe ich auch viel unternommen, doch man spürte immer, dass man nicht voll dabei und integriert war.

Die Universität

Mit dem Rad brauchte ich ca. 20 Minuten zur Universität, was ich als sehr angenehm empfand. Die Einführungswoche begann am 10. Januar, am Tag nach meiner Ankunft. Der erste Tag begann mit allgemeinen Informationen zur kommenden Woche, dem Vorlesungsbeginn und Schweden im Allgemeinen. Danach folgte in Kleingruppen die Einweisung in die Bücherei, deren Ordnungssystem und wie man Medien ausleiht. Der Tag endete nach einer Einführung in die schwedische Sprache. Der zweite Tag begann mit der ersten Schwedischstunde für alle AustauschstudentInnen, die sich dafür angemeldet hatten. Insgesamt belegte ich zwei Schwedischkurse, alle die mir ermöglicht wurden. Anschließend wurden wir in die Computernutzung eingewiesen und uns wurden verschiedene Milchprodukte präsentiert, die sich oftmals von den aus dem Heimatland bekannten unterscheiden, z.B. befindet sich Joghurt oder Dickmlich in Schweden häufig auch im Tetrapack und einige StudetnInnen verwechselten die Produkte beim Einkauf. Der zweite Tag endete mit einer Besichtigung der jeweiligen Fakultät gegen 16.00 Uhr und wer wollte konnte am Schlittschuhlaufen des ESN (Erasmus Student Network) teilnehmen. Am dritten Tag begann die Einführung mit der Geschichte Schwedens und der schwedischen Kultur. Nach einer Sightseeingtour per Bus und einer Informationsveranstaltung über unsere Studentenwohnheime folgte die zweite Unterrichtseinheit in Schwedisch und endete um 19.00 Uhr. Am letzten Tag der Einführungswoche wurden wir zu Beginn über Lernmethoden und Stressmanagement informiert, lernten das schwedische akademische System kennen, den Campussicherheitsdienst und die Malmöer Polizei und wurden mit einem kleinen Snack auf die anschließende Kneipentour, wieder mit ESN, vorbereitet. Durch dieses Programm entstanden die ersten Freundschaften, was ich als gerade für mich in Abgeschiedenheit wohnende als sehr wichtig empfand.

Ich belegte den Kurs „International Migration and Ethnic Relations (IMER)“, welcher mir keine besondere Freude am Studieren bereitete. Teils verursacht durch Lehrer mit in meinen Augen mangelnder didaktischer Kompetenz und einem Talent, langweiligen Stoff noch langweiliger klingen zu lassen, teils durch den puren Vorlesungsstil, den ich von der FH Frankfurt nicht gewohnt bin, teils durch in meinen Augen langweiligen und mir nicht für mein Studium relevant erscheinenden Inhalt. Trotzdem hat es mein Allgemeinwissen erweitert und indirekt bringt es mich auch in meinem Studium weiter, worauf ich noch eingehen werde. Ich bereue nicht, ein Auslandssemester angetreten zu haben, sondern würde es jedem empfehlen. Mich hat es erwachsener und selbstständiger gemacht und durch die vielen unterschiedlichen Menschen aus allen Ländern und Kulturen bekommt man ein ganz anderes Bild über das eigene Land, die eigene Kultur, das eigene Selbst. Man beginnt nachzudenken, woher gewisse Sichtweisen kommen und lernt u.U. mehr Toleranz und Respekt anderen Kulturen gegenüber.

Mein Kurs war aus vier Modulen zusammen gesetzt: „Community & Indentity“, „Economy & Social Structure“, Migration & Politics“ und „Identity, Media & Racism“. Im letzten Teil wurden die Themen Stigma, Stereotype und Rassismus aufgegriffen, was ich als interessantesten Teil aufnahm.

Neben dem regulären Unterricht belegte ich zwei Kurse in Schwedisch, leider gab es keine weiteren Angebote. Ich bin in der Lage mich halbwegs verständlich zu machen, einzukaufen und ein bisschen Smalltalk zu führen. Gerne hätte ich noch weiter Schwedisch in einem Kurs gelernt. Ich besitze eine CD- Rom, mit der ich auch allein arbeite, aber in der Gruppe lernt man eindeutig besser und wendet die Sprache mehr an.

Da ich nur an durchschnittlich zwei Tagen in der Woche für je ca. zwei Stunden zur Vorlesung musste, hatte ich relativ viel Freizeit. Wir unternahmen recht viel in Kleingruppen, meist nur aus AustauschstudentInnen bestehend, da SchwedInnen recht schwer zugänglich sind. Ich hatte das Glück, einen aufgeschlossenen und neugierigen schwedischen Nachbarn zu haben, der mir Schweden und die schwedische Sprache in unzähligen Treffen näher brachte. Sein Besuch in Deutschland bei mir ist noch für dieses Jahr geplant.

Wie die meisten anderen auch habe auch ich Schweden ein wenig bereist und war sehr an Land und Leuten interessiert. Leider gibt es an der Hochschule Malmö keine Unisportangebote, was sehr schade war. Das ganze studentische System ist bei der noch recht jungen Universität (seit 1997) noch nicht zufriedenstellend ausgebaut.

Meine Erfahrungen

 

Die schlechteste Erfahrung war die Gleichgültigkeit der Immobiliengesellschaft gegenüber den AustauschstudentInnen. Mir kam es so vor, als würde sie sich absichtlich nicht mehr um uns kümmern, da wir nur ein halbes Jahr da sind und sowieso nicht genug Druck und Ärger machen und wir das Geld nicht wert sind. Wir kommen nicht mehr zurück, wenn wir also unzufriedene Kunden sind, ist das gleichgültig.

Meine beste Erfahrung war der Austausch und die Bekanntschaften mit so vielen Person von überall her. Ich habe viele neue Freundschaften geschlossen, die hoffentlich auch auf Dauer bestehen bleiben.

 

Annika Wießner

B.A. Soziale Arbeit

Malmö

Sommersemester 2012 (Januar- Juni)

Auslandspraktikum