Kooperationsprojekte an der Northumbria University, GB

Prof. Dr. Barbara Klein
Northumbria University, GB
2009

 

Kooperationsprojekte 2009

In 2008 wurden für die Initiierung folgender zwei Projektaktivitäten Gelder beantragt:

Projekt 1

  • Zukunft der sozialen Arbeit – Veränderungen der Arbeitswelt und Anforderungen an die Ausbildung
  • Vergleichende Erhebung in der Region Northumbria in England als Replikationsstudie zur hessischen Befragung

Projekt 2

  • Soziale Interaktion mit PARO, einer Roboterrobbe – Untersuchung zu den Auswirkungen auf die KlientInnengruppe und die beteiligten Berufsgruppen Sozialarbeit und Pflege
  • Vergleichende Untersuchung zur Einführung der „Robotherapy“ in der Gerontopsychiatrie in Deutschland und England

Der Grund für die gemeinsame Beantragung war die räumliche Nähe der Kooperationspartner auf demselben Campus der University of Northumbria in Newcastle, England. Dadurch konnten im Rahmen der veranschlagten Zeit Kosteneinsparungen erzielt und Synergien genutzt werden.

Ergebnisse der Besuche an der Northumbria University in Newcastle, England

Die Besuche in England fanden vom 9.-19.03. und vom 7.-17.09.2009 statt.

Projekt 1: Zukunft der sozialen Arbeit – Veränderungen der Arbeitswelt und Anforderungen an die Ausbildung

Geplant war eine Replikationsstudie mit denselben Methoden und Instrumenten, die im Projekt »Zukunft der sozialen Arbeit« entwickelt worden sind. Das Projekt »Zukunft der sozialen Arbeit« wurde im Rahmen des JuniorInnenprogramms der Fachhochschule Frankfurt am Main mit einem Betrag von 3.000 Euro gefördert. Hier wurde auf Basis von Expertengesprächen und Workshops mit Praktikern ein Online-Fragebogen entwickelt. Potenziell wäre es möglich gewesen, dass dieses Online-Instrumentarium auch in der Region Northumbria eingesetzt wird. Im Vorfeld der Antragstellung hatte Prof. David Stanley Interesse an einer solchen Zusammenarbeit bekundet.

Die geplante Replikationsstudie mit Großbritannien wird nicht zustande kommen können. Gespräche dazu fanden sowohl im März als auch im September 2009 an der Northumbria University in Newcastle statt. Ausschlaggebend waren die – vorab nicht überschaubaren – Genehmigungsprozesse für eine solche Untersuchung. Auf Grund der ethischen Bestimmungen benötigt eine Untersuchung das Einverständnis des universitären »Ethic Committees«. Um die geplante Befragung durchführen zu können, ist die Zustimmung jeder teilnehmenden Institution erforderlich. Erst mit dieser Zustimmung kann der Kontakt zu den Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen in der jeweiligen Institution aufgenommen werden. Ein solches Vorgehen bedeutet einen erheblichen Aufwand im Vorprozess. Dieser zeitliche und finanzielle Ressourceneinsatz ist mit den heutigen Strukturen in GB und in DE und den für das Projektvorhaben vorhandenen Ressourcen nicht zu leisten.

Marion Follner, die als studentische Hilfskraft am Projekt »Zukunft der sozialen Arbeit« mitarbeitete, war im September 2009 eine Woche in Newcastle und konnte an den Expertengesprächen an der Northumbria University in Newcastle teilnehmen. Gemeinsam mit Dr. Glenda Cook wurde das Dementia Services Development Centre der University of Stirling besucht und Eindrücke hinsichtlich der Gestaltung einer Daueraustellung zum selbstständigen Leben bei dementiellen Erkrankungen gewonnen. Marion Follner hat dazu einen Erfahrungsbericht in der CAZ geschrieben. (Follner, Marion: Soziale Arbeit und Gesundheit in Großbritannien. Blick über den Tellerrand in Newcastle. In: CAZ. Nr. 3, S. 48)

Projekt 2: Soziale Interaktion mit PARO, einer Roboterrobbe – Untersuchung zu den Auswirkungen auf die KlientInnengruppe und die beteiligten Berufsgruppen Sozialarbeit und Pflege

Auf der Basis der gemeinsam mit Dr. Glenda Cook von der Northumbria University durchgeführten Expertengespräche in Australien und Japan war die Überlegung eine vergleichende Untersuchung zum Einsatz der therapeutischen Robbe durchzuführen. Folgende Arbeitsschritte waren in Kooperation mit der Northumbria University geplant:

  • Vorbereitung eines Ethik-Antrages
  • Akquisition einer englischen und einer deutschen Pflegeeinrichtung, um dort Robotherapy einzuführen
  • Entwicklung von gemeinsam abgestimmten Interview-Leitfäden für die relevanten Akteure im Pflegesetting
  • Entwicklung eines gemeinsam abgestimmten Beobachtungsrasters für die teilnehmende Beobachtung
  • Durchführung von teilnehmender Beobachtung vor, während und nach der Einführung der therapeutischen Robbe PARO im Pflegesetting
  • Auswertung und die Erstellung einer gemeinsamen Publikation
  • Internationales Treffen im September 2009 und gemeinsame Antragsstellung im Rahmen eines EU-Programmes
  • Thematisierung der Studie und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit in den Modulen 18 »Praxismodul« und Modul 20 »Querschnittsthemen der Sozialen Arbeit«“ thematisiert wird. Über Videokonferenzen und Chatroom sollte die Möglichkeit eröffnet werden, Studierende über den Forschungsprozess zu informieren und an nationalen und internationalen Erfahrungen mit einer neuen Betreuungsmöglichkeit in der Gerontopsychiatrie zu partizipieren zu lassen.

Die Expertengespräche im Rahmen der beiden Englandaufenthalte brachten folgende Ergebnisse:

Dr. Glenda Cook führte Gespräche mit der Ethikkommission zur geplanten Untersuchungsfragestellung. Die Aussichten einen Ethikantrag zur Untersuchung der therapeutischen Robbe auf einer breiteren Basis durchzubekommen, wurden als nicht erfolgreich beurteilt, so dass davon abgesehen wurde, einen Antrag zu stellen.

Dr. Glenda Cook gelang es einen industriellen Antrag zu erhalten, in dem in einer kleinen Studie zwei technologische Interventionen explorativ ohne Forschungsanspruch untersucht wurden. Im Rahmen dieser Studie wurde zum einen die Hard- und Software-Entwicklung Connect for Care und die therapeutische Robbe in einem stationären Setting beobachtet.

An der FH FFM konnte die therapeutische Robbe in Lehrforschungsprojekten in den Modulen 18 und 20 eingesetzt werden und wird weiterhin eingesetzt. Die Rahmenbedingungen in Großbritannien und in den Lehrforschungsprojekten an der FH FFM sind allerdings so, dass keine ex-post und ex-ante Untersuchungen durchgeführt werden können. In GB wurde eine teilnehmende Beobachtung im Rahmen von kurzen Interventionen mit der therapeutischen Robbe durchgeführt. In den Lehrforschungsprojekten nehmen die Studierenden die Interventionen mit der therapeutischen Robbe – soweit die Einverständniserklärung der Akteure vorliegen – per Videokamera auf.

Für diese Untersuchungen wurde ein gemeinsamer Beobachtungsbogen entwickelt, der im Rahmen der Lehrforschungsprojekte an der FH FFM in Modul 20 bei den Interventionen in der stationären Altenhilfe begleitend eingesetzt wird, u.a. um das Beobachtungsvermögen zu schulen.

Es wurde ein gemeinsamer EU-Antrag im Rahmen der Marie Curie Actions: International Research Staff Exchange Scheme zu »Models for Ageing and Technological Solutions for Improving and Enhancing the Quality of Life MATSIQUEL« gestellt, der positiv beschieden wurde. Das Thema »Die Rolle neuer Technologien auf die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen« soll im Rahmen des geplanten Vorhabens durch die Verbindung zu mathematischen Auswertungsmodellen und durch die Einbindung weiterer Länder (Australien, Mexiko und Südafrika) auf eine breitere Basis gestellt werden.

Im Rahmen der beiden Aufenthalte wurde die Northumbria University als neuer Erasmus-Partner gewonnen.

Dr. Glenda Cook beteiligte sich darauf hin an der Internationalen Woche des Fachbereichs 4 Soziale Arbeit und Gesundheit (02.11.-06.11.2009) im Rahmen von Lehr-Veranstaltungen (Modul 18, 20 und Diskussionsrunde) und war bei der Gründung des Arbeitskreises »Emotional Robotics« dabei.

Im Rahmen dieses Arbeitskreises »Emotional Robotics« gab Northumbria University im Rahmen der LOEWE-Antragsskizze eine Zusage, dass sie sich an einer Graduiertenschule beteiligen würden.

In der Zwischenzeit wurden zwei gemeinsame Veröffentlichungen mit Glenda Cook realisiert:

  • Klein, B.; Cook, G. (2009) Robotik in der Pflege – Entwicklungstendenzen und Potenziale. In: Public Health Forum 17 Heft 65
  • Klein, B.; Cook G. (2009) Ein Freund, ein guter Freund … Was kann die elektronische Robbe. In: Dr. med. Mabuse. Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe. Nr. 180. 34. Jg., Juli/August 2009

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