Mein Auslandssemester im wunderschönen Malmö

Hannah Kossak
B.A. Soziale Arbeit
Malmö
Wintersemester 2012/2013
Auslandssemester


Vorbereitung

Ich hatte schon vor Beginn meines Studiums dazu entschlossen, ein Auslandsemester zu absolvieren. An meiner Fachhochschule wurde ich dann auch gut über die Möglichkeit eines Auslandsemesters informiert. Die Auslandsbeauftrage an meinem Fachbereich (Prof. Dr. Straub) stand mir bei allen Fragen zur Seite und half mir bei der Kursauswahl. Außerdem füllte sie mit mir das Learning Agreement und alle weiteren notwendigen Dokumente aus.


Meinen Kurs, den ich in Malmö belegen wollte, habe ich mir selbst ausgesucht. Auf der Seite von der Malmö Högskola gab es genügend Informationen über die verschiedenen Kurse, die man sowohl auf schwedisch als auch auf englisch aufrufen konnte.


Von dem Interational Office an meiner Heimathochschule erhielt ich weitere Dokumente, um mich zum Beispiel für einen Sprachkurs in Malmö und eine Unterkunft im Studentenwohnheim zu bewerben.


Meiner Meinung nach war alles sehr gut organisiert. Am Anfang musste ich gar nicht selbst mit der Hochschule in Malmö in Kontakt treten, weil das International Office in Frankfurt alles für mich organisiert hat. Man muss nur darauf achten, dass man alle Formulare fristmäßig abgibt.


Etwa ein bis zwei Monate vor Abreise erhielt ich direkt aus Malmö per Email eine Zusage für einen Platz im Studentenwohnheim und ein Platz für den EILC-Sprachkurs.

Unterkunft

Über die Hochschule Malmö habe ich einen Platz in einem Studentenwohnheim bekommen. Ich konnte mich schon im voraus für einen Platz bewerben und in diesem Formular meine Wünsche angeben. Ich bekam einen Platz in dem Studentenwohnheim Rönnen, welches relativ zentral gelegen ist und man somit alles mit dem Fahrrad erledigen konnte. Als ich einige Zeit in Malmö wohnte, erfuhr ich von Anderen, dass ich großes Glück hatte, einen Platz im Wohnheim erwischt zu haben. Viele mussten sich auch privat eine Unterkunft organisieren, da es nicht genug Plätze für alle Studenten im Wohnheim gibt.


Mein Zimmer war sehr schön. Ich habe im fünften Stock gewohnt und konnte durch meine großen Fenster den Turning Torso erblicken (das Wahrzeichen von Malmö). Alle Zimmer hatten dieselbe Ausstattung, die für ein Semester vollkommen ausreichend ist. Jedes Zimmer hat außerdem ein eigenes kleines Badezimmer.


Die Küche wurde von allen Studenten in unserem Flur gemeinsam genutzt. Nur die Doppelzimmer (davon gab es 3) haben eine eigene kleine Küchenzeile im Zimmer. Unsere Gemeinschaftsküche wurde so von fast dreißig Personen benutzt. Gerade am Anfang hat das zu Engpässen geführt, weil wir noch alle denselben Rhythmus hatten. Obwohl es in dieser Gemeinschaftsküche nie richtig sauber war und die Sachen immer in anderen Schränken zu finden waren, habe ich sie schnell zu schätzen gelernt. Diese Küche wurde zum Treffpunkt für das gemeinsame Kochen, Spielabende, Partys, Lernen oder Kaffeetrinken. Man war hier nie alleine.


Insgesamt war der Preis für die Unterkunft meiner Meinung nach zu teuer. Im Monat habe ich umgerechnet 480 Euro bezahlt und in dem Preis war noch kein Internet enthalten. Dieses musste man sich zusätzlich für ungefähr 25 Euro pro Monat kaufen.

Studium an der Gasthochschule

Ich habe mich für den Kurs „International Migration and Ethnic Relations“ an der Malmö Högskola entschieden. Mit diesem Kurs war ich sehr zufrieden. Er war in vier Module unterteilt, die jeweils 7,5 Credits erbringen. Nach jedem Modul gab es eine oder mehrere Prüfungen zu dem Thema.


Das erste Modul, Migration and Politics, endete mit einer Präsentation, einer Klausur und einer Hausarbeit. Für die Hausarbeiten hat man in Malmö immer nur eine Woche anstelle von vier Wochen Zeit, aber sie sind auch weniger umfangreich. Das zweite Modul, Economy and Social Structures, endete mit einer Klausur. Das dritte, Identity and Community, und vierte Modul, Media and Racism, endeten jeweils mit einer Hausarbeit.


Ich empfand es als sehr positiv, dass man die Prüfungen in Malmö schon während des Semester hatte, da man so gleich das Gelernte für den nächsten Kurs anwenden konnte. Außerdem hat man nicht wie in Deutschland am Ende des Semesters einen Berg an Prüfungen, sondern der Stress verteilte sich.


Insgesamt war ich mit der Wahl meines Kurses sehr zufrieden. Das Thema hat mich sehr interessiert und es gab eine gute Mischung zwischen Gruppenarbeiten und Einzelarbeiten. Man muss sich nur darauf einstellen, dass man für diesen Kurs an den unifreien Tagen sehr viel zuhause lesen muss. Sprachlich hatte ich keine Probleme den Kurs zu folgen. Nur für die Texte, die wir lesen sollten, musste ich öfter Fachvokabular nachschlagen.


Zusätzlich zu diesem Kurs belegte ich noch zwei Schwedisch-Kurse. Den ersten Schwedisch-Kurs hatte ich die ersten drei Wochen des Semester jeden Tag drei Stunden und den zweiten Kurs belegte ich während des Semesters immer einmal die Woche. Ich würde jedem empfehlen, an diesen Kurs teilzunehmen. Sie sind zum einen umsonst und man hat die Möglichkeit etwas über die schwedische Sprache und Kultur zu lernen.

Alltag und Freizeit

Die ersten drei Wochen wurde für alle Auslandsstudenten ein „Introduction-program“ organisiert. Jeder Tag war voller Aktivitäten. Vormittags fand immer der Schwedisch-Kurs statt und am Nachmittag und Abend gab es Angebote von dem international office in Malmö. Dieses Angebot bestand aus Vorlesungen mit nützlichen Hinweisen, wie z.B. Sportangebote und Testen von den hundert verschiedenen schwedischen Milchprodukten, Kennlernspiele, Stadttouren, Pubcrawls, Partys und vielem mehr. Es gab so viele Angebote, dass man sich fast schon mal einen freien Tag wünschte. Aber das Programm war super, um viele neue Menschen und Malmö kennenzulernen. Und Zeit für Heimweh gab es so auf keinen Fall.


Leider war das „Introduction-program“ nur für ausländische Studierende und so lernte ich zwar Menschen aus aller Welt nur leider keine schwedische Studenten kennen. So fiel es mir während des gesamten Semesters sehr schwer, Kontakt zu Einheimischen zu knüpfen, da auch in meinem Kurs zum großen Teil nur Auslandsstudenten waren.


Die Freizeit in Malmö zu füllen war kein Problem. Es gibt ein kleines Sportprogramm von der Hochschule an dem ich teilgenommen und somit zwei mal die Woche Volleyball gespielt habe. Dafür musste man einmalig ca. 20 Euro zahlen.


Außerdem liegt Malmö direkt am Meer und hat neben dem „Turning Torso“ wunderschöne Badestellen zu bieten. Ich war sehr froh, dass das Semester schon im August begonnen hatte, denn so hatte ich noch etwas von dem Sommer. Mit dem Fahrrad hat man den Strand in etwa 30 Minuten erreicht und im Sommer wurde dieser schnell zum Treffpunkt. Man kann von dort den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer beobachten. Selbst im Winter konnte man hier schöne Spaziergänge unternehmen oder einen Kaffee mit Blick auf das Meer trinken.


Ein Highlight vor allem im Winter ist das Ribersborg Kaldbadhus, eine Sauna, die direkt auf dem Meer gelegen ist. Nachdem Saunagang kann man so direkt in die Ostsee hüpfen und sich im sehr kalten Meer erfrischen.


Ansonsten gibt es in Malmö kulturelle Angebote, Clubs und sehr viele Cafés. Denn alle Schweden brauchen am Nachmittag “Fika”. Das ist das schwedische Wort dafür, Kaffee trinken zu gehen und dazu z.B. eine Kanelbulle (Zimtschnecke) zu essen.


Im Sommer gibt es jeden Sonntag einen großen Flohmarkt auf dem Drottningstorget und auch Gemüsemärkte.


Falls einem die Kleinstadt zu langweilig wird, ist Kopenhagen nur ein Katzensprung entfernt. Mit dem Zug über die Öresundbrücke ist man in ca. 40 Minuten im Zentrum von Kopenhagen, der dänischen Hauptstadt.


Insgesamt habe ich während des Auslandssemesters mehr Geld benötigt, als in Deutschland. Zum einen weil die Miete teurer war und zum anderen weil auch generell die  Lebenshaltungskosten teurer sind. Lebensmittel, vor allem Fleisch, Alkohol und Drogerieartikel sind in Schweden wesentlich teurer. Auch wenn man in Schweden Kaffeetrinken oder Essen geht, ist dies kostspieliger. Für ein Bier in einer Bar bezahlt man im Durchschnitt 8 Euro.


Aufgrund dieser Kosten spielt sich viel im Studentenwohnheim ab. Dort wird gekocht, Kaffee getrunken und Partys gefeiert. Dadurch habe ich viel Geld gespart, obwohl ich es auch sehr genossen habe, dass Studentenwohnheim zu verlassen und Malmö zu erkunden. Deswegen sollte man auf jeden Fall mehr Geld einplanen, um Malmö auch zu erleben und Schweden zu entdecken.


Ich hatte mein Fahrrad nach Malmö mitgenommen, was mir vieles erleichtert hat. Malmö ist eine absolute Fahrradstadt und fast jeder ist mit dem Fahrrad unterwegs. Das Studentenwohnheim hat auch einen extra Fahrradkeller, den man auch benutzen sollte, um es vor Diebstählen zu schützen. Die anderen Studenten, die noch kein Fahrrad hatten, haben sich in Malmö ein Gebrauchtes gekauft. Dies war jedoch mit viel Stress und auch Zusatzkosten verbunden. Deswegen würde ich jedem raten, das Fahrrad mit nach Malmö zu nehmen, wenn es möglich ist.

Fazit

Während meines Auslandssemester habe ich unglaublich viel gelernt und wunderbare Erfahrungen gemacht. Der Kurs, den ich belegt habe, hat mir sehr viel gebracht. Ich weiß jetzt viel über das Thema Migration und erwäge auch mein Praktikum in Deutschland in diesem Bereich zu absolvieren. Ich kann mir sogar vorstellen meinen Master in diese Richtung zu machen.


Vor allem denke ich, dass ich mein Englisch während des Semesters verbessert habe, da sowohl an der Hochschule als auch im Studentenwohnheim diese Sprache zur Verständigung diente.


Ich bin sehr froh, dass ich im Studentenwohnheim gewohnt habe und somit immer Freunde um mich herum hatte, die einen aufheiterten oder mit denen man lachen konnte. Es war noch nie so einfach, spontan so viele Sachen zu unternehmen, denn immer hatte irgendjemand Lust mit an den Strand zu fahren oder gemeinsam in die Bibliothek zum Lernen zu gehen.


Leider habe ich während des Semesters nicht so viel schwedisch gelernt, wie ich es mir zu Anfang erhofft hatte. Zwar habe ich die Sprachkurse belegt, jedoch hatte ich in meiner Freizeit kaum Kontakt zu Schweden, sodass ich nie die Möglichkeit hatte, schwedisch zu sprechen. Aber dafür habe ich jetzt Kontakte zu Menschen aus den verschiedensten Länder, ich kann chinesisch kochen, auf schwedisch meinen Kaffee bestellen und weiß viel über die Länder und Kulturen meiner Freunde. Diese Erfahrungen sind für mich sehr viel wichtiger und ich würde jeden empfehlen, den Schritt zu machen ins Ausland zu gehen, ob in das wunderschöne Malmö oder in eine andere Stadt.