Erasmus Exchange to the University of Hull

Selwyn Hull

Vor der Abreise

Im Rahmen meines Studiums entschied ich mich ein Auslandssemester zu absolvieren. Da ich selbst
gebürtig Halbengländerin bin entschied ich mich dafür im Vereinigten Königreich mein
Austauschsemester zu absolvieren. In Hull selbst war ich vorher noch nie gewesen, was ebenfalls zu
meiner Entscheidung beitrug.
Der Kontakt zu der Gasthochschule fand zuerst über meine Heimathochschule, der FH – Frankfurt
statt. Ich füllte die nötigen Bewerbungsunterlagen fristgerecht aus und wenige Wochen später
erhielten sowohl ich, als auch meine Heimathochschule eine Antwort per E-Mail. Ab diesem
Zeitpunkt fand der Kontakt zwischen mir und der Gasthochschule statt. Ich hatte im International
Office der University of Hull – dem Dennison Center – eine Ansprechpartnerin, Vicky. Durch sie
bekam ich alle Informationen, die ich benötigte, was die Wohnungssituation, die und auch das
Studium in Allgemeinen anging. Die Webseite der University of Hull war ebenfalls eine große
Hilfe, denn dort fand ich relativ leicht alles, was ich suchte. Ausgenommen waren allerdings die
Module, bzw. der Modulplan. Diese Informationen waren auf der Webseite der University of Hull
doch recht versteckt, allerdings habe ich mir die nötigen Informationen über einen Bekannten holen
können, der selbst vor einem Jahr die Uni in Hull besucht hatte. Generell war die Zeit vor dem
eigentlichen Austausch geprägt von Fragen, Unsicherheit und Aufregung. Als ich endlich in Hull
angekommen war, stellte sich heraus, dass ich sehr gut vorbereitet war und alle meine Probleme und
Problemchen sich von selbst lösten. Ein gutes Beispiel hierfür war die Modulbelegung in der
Gasthochschule. Nach dem ganzen Durcheinander sie zu finden, stellte sich vor Ort heraus, dass
eines der drei Module nicht mehr angeboten wurde. Der Tausch in ein anderes Modul war absolut
problemlos. Im Großen und Ganzen, würde ich zum Thema Vorbereitung sagen, dass es
unabdingbar ist, sich gut vorzubereiten um nicht am Ende einer bösen Überraschung gegenüber zu
stehen. Allerdings, gibt es viele Sachen (wie z.B. Modulbelegung, wo muss ich für was aufsuchen,
wer kümmert sich um mich im Gastland, usw.) die sich wirklich erst vor Ort klären lassen und dann
überraschend einfach zu lösen sind.

Die Unterkunft

Hier empfand ich die University of Hull als sehr gut organisiert. Schon lange vor meiner Abreise
fand ich auf der Webseite das Formular um mich für ein Student Housing zu bewerben. Das wurde
problemlos angenommen und ca. drei Monate vor meiner Abreise nach England hatte ich eine
Adresse, was für ein Semester mein neues Zuhause sein sollte. Vor Ort stellte sich das studentische
Wohnen in seinen positiven und negativen Facetten gleichermaßen dar. Die Uni in Hull hat ein sehr
großes Angebot für die Studierenden. Es gibt mehrere ganze Straßenzüge, die allein von
Studierenden bewohnt werden. Die Häuser an sich waren alle geräumig – die Größe des
individuellen Zimmers war natürlich abhängig von der Summe, die man bereit war zu zahlen – doch
die Küche, der Gemeinschaftsbereich und auch das Bad waren angemessen. Ich lebte mit drei
anderen jungen Frauen zusammen. Die Hygiene innerhalb des Hauses ließ – meiner Meinung nach
– zu wünschen übrig, da konnte auch die Haushaltshilfe, die einmal die Woche kam, nicht viel dran
ändern. Jedoch hat jeder Mensch einen anderen Standard was Hygiene betrifft, daher musste ich
damit leben. Nichtsdestotrotz, war es angenehm mit den anderen Studenten zusammen zu wohnen.
Gab es Probleme (wie z.B. eine nicht funktionierende Heizung) konnte man sich auf dem Campus
an das Accomidation Center wenden. In den meisten Fällen wurden die Probleme schnell und
zuverlässig gelöst. Allerdings habe ich von Bewohnern anderer Häuser gehört, dass einige
Beschwerden (wie kein warmes Wasser) erst nach Wochen behoben wurden. Generell empfand ich
das Angebot, für das was ich gezahlt hatte, als angemessen. Vor allem, dass das gesamte Viertel von
Studenten bewohnt war, lockerte die Atmosphäre. Egal an welchem Wochentag und zu welcher
Uhrzeit, man fand immer Anschluss und niemand fühlte sich gestört. Auch die Nähe zum
Unigelände war ausgezeichnet. Da es immer wieder zu Zwischenfällen wie Einbrüchen, oder
gewaltsamen Konflikten gekommen sein sollte, gab es eine hohe Polizei und Security Präsenz in
dem gesamten Gebiet. Ich selbst habe nie irgendwelche Erfahrungen dieser Art gemacht und fühlte
mich immer sicher, egal zu welcher Uhrzeit ich das Haus verließ, oder nach Hause kam.

Sprache

Ich selbst habe weder in Frankfurt, noch in Hull an einem Sprachkurs teilgenommen. Da mein Vater
Engländer ist, bin ich zweisprachig ausgewachsen. Daher fiel es mir auch nicht schwer dem
Unterricht zu folgen. Allerdings bemerkte ich nach wenigen Wochen, dass sich meine
Sprachkenntnisse und auch mein Wortschatz noch weiter verbesserten. Anfangs musste ich mich
konzentrieren, um alle Inhalte der Vorlesung zu begreifen. Nach und nach wurde das Verständnis so
gut, dass ich wie auch in deutschen Vorlesung gleichzeitig zuhören und mitschreiben konnte und
mich auch aktiv beteiligen konnte. Die Prüfungsleistung – in Form von drei Essays, einer
Präsentation, einer Reflektion und einer Klausur – waren jedoch ein anderes Kaliber. Vor allem die
Essays waren eine Herausforderung, da dies eine wissenschaftliche Arbeit war. Zum Glück hatte ich
viel Zeit und konnte mich ausschließlich auf das Studium konzentrieren, anders als in Frankfurt, wo
ich noch eine Arbeitsstelle habe. Daher gelang es mir alle Prüfungsleistung fristgerecht abzugeben
und bis zum heutigen Zeitpunkt habe ich alles auch zufriedenstellend bestanden – jedoch fehlen
noch drei Ergebnisse.

Die ersten Tage in Hull

Die ersten zwei Wochen in Hull waren absolut durchorganisiert. Schon bei unserer Ankunft wurden
wir direkt zu einem Meeting im International Office gebracht, wo wir einen Plan für die erste
Woche erhielten. Darin fand sich Allgemeines zum Studium, zum Campus (inklusive Führung),
zum Leben in den Student Houses wieder. Auch die verschiedenen Societies und Sport Clubs
wurden uns vorgestellt. In der zweiten Woche lernte ich mein Department – meine Fachschaft
kennen – und traf auf meine Supervisorin Dr. Jo Bell. Sie war für die Dauer meines Aufenthaltes
meine Ansprechpartnerin für alle Belange die das Studium betrafen.

Das Leben auf dem Campus

Der Anschluss an andere Studierende viel relativ leicht. Zum einem lebten wir alle in dem gleichen
Gebiet in Hull – soll heißen, alle Exchange Students lebten räumlich eng beieinander. Außerdem
hatte die University of Hull zahlreiche Angebote für ihre Austauschstudenten. Es gab die ISA
(International Student Association) die regelmäßig Aktivitäten anbot. Dies beinhaltete
Campuspartys, Ausflüge innerhalb Englands, oder sportliche wie auch kulturelle Aktivitäten.
Generell hatte Hull mit einem eigenen Pub und einem Club auf dem Campus ein großes Angebot
für die Studierenden. Dort lernte man sich zwangsläufig kennen und fand Anschluss. Es gab
regelmäßige Veranstaltungen wie Karaoke oder Quiz Night. Zusätzlich gibt es in England Societies
zu vielen verschiedenen Themenschwerpunkten, denen man sich anschließen kann. Diese AGähnlichen
Gruppen waren nach Interesse wählbar, es gab zahlreiche Sportgruppen (Fechten,
Squash, MMA, etc.), aber auch alles von Harry Potter AG, über Literatur Gruppen bis zu Amnesty
International. Ich selbst trat einer Society bei – der Rock Society und über diese Gruppe traf ich auf
zahlreiche junge Leute, die sich regelmäßig trafen und ihre Studienzeit genossen. Mindestens
einmal die Woche traf man sich zu einem sogenannten Social, regelmäßig erkundeten wir an den
Wochenenden passende Clubs in und um Hull und vor Weihnachten trafen sich alle zu einem netten
Christmas Dinner in einem der Pubs.
Mit meinen Mitstudenten in meinen Kursen aus dem Fachbereich Social Work, BA hatte ich
weniger Kontakt und es fiel auch schwerer Anschluss zu finden. Alle waren freundlich und
hilfsbereit, jedoch war ich mit einer anderen Austauschstudentin die Einzige und das merkte man
auch.

Die Kosten

England ist bekanntermaßen ein teures Pflaster. Natürlich half die finanzielle Unterstützung durch
Erasmus, trotzdem war ein erheblicher Eigenanteil zu leisten. Im Schnitt habe ich monatlich 600 –
700 Euro ausgegeben, ohne die Wohnkosten. Ich denke, dass man ohne Unterstützung der Familie,
oder einem gut bezahlten Job kein Austauschsemester absolvieren kann, da die Kosten den Rahmen
sprengen. Ich konnte mit meinem Arbeitgeber zum Glück einen Deal aushandeln und so meine
Stunden vorarbeiten und bekam mein normales Gehalt monatlich weiter. Das machte das Leben in
Hull sehr angenehm, jedoch waren die Monate vorher anstrengend, da ich doppelt soviel arbeitete
wie normal.

Mein Fazit

Das Semester in Hull hat mir insgesamt sehr, sehr viel Freude bereitet. Auch im Hinblick auf meine
Selbstständigkeit bin ich noch etwas gereift. Zwar halte ich mich insgesamt für einen autonomen
Menschen und war mir sicher, dass ich keine Probleme im Ausland haben würde, doch dies
bestätigt zu bekommen, war ein positives Erlebnis. Ich bin Student der Sozialen Arbeit und glaube,
dass viel zu wenig Studenten meiner Fachrichtung ins Ausland gehen. Daher glaube ich, wird diese
Erfahrung ein positives Bild in meiner Bewerbung abgeben. Für den eigenen Charakter und die
Selbstständigkeit ist es ein großer Schritt nach vorne, solch eine Erfahrung zu machen, was vor
allem für die vielen jungen Studenten zutrifft, die ich in Hull kennen lernte. Ich selbst lebe schon
seit sieben Jahren nicht mehr bei meinen Eltern, habe schon eine Ausbildung gemacht und bin
selbstständig. Jedoch hatte ich durch das Studium die einmalige Chance ins Ausland zu kommen,
ohne mein altes Leben komplett aufgeben zu müssen. Ich würde dies jedem weiterempfehlen und
kann nur Vorteile daraus ziehen. Neben einem qualitativ sehr hohen Studium, habe ich das
Bildungssystem eines anderen Landes kennengelernt (was sich sehr von dem gewohnten in
Frankfurt unterscheidet). Außerdem habe ich viele nette und interessante Menschen kennenlernen
dürfen, zu denen ich hoffe den Kontakt halten zu können. Zusätzlich habe ich viel von dem Land
selbst gesehen – war in London, Edinburgh, Scarbourough, Manchester, Leeds, Glasgow und Loch
Ness. Alles in allem, eine fantastische Zeit, die viel zu schnell vorbei war.

 

Annika Selwyn – BA Social Work
24.9.2013 – 27.1.2014