Das Wintersemester 2012/13 – oder eine unvergessliche Zeit in Växjö und Schweden

Liebe Leserinnen und Leser, nachfolgend findet Ihr den Bericht zu meinem Auslandssemester an der Linnéuniversitetet in Växjö, Schweden im Wintersemester 2012/13. Ich wünsche Euch eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Lektüre!

Vorbereitung

Um mich bezüglich eines Auslandssemesters im Allgemeinen beraten zu lassen, führte ich zunächst ein Gespräch mit Frau Straub, der Auslandsbeauftragten am Fachbereich 4, die mir auch im Laufe der weiteren Vorbereitungen bei auftretenden Fragen oder Problemen jederzeit freundlich und zuverlässig weiterhalf. Anschließend klärte ich offen gebliebene Details mit dem Office for International Relations an meiner Gasthochschule. Dieses sowie andere wichtige Stellen auf dem Campus in Växjö (z. B. Vermieter, die Studentenorganisation „Linnéstudenterna“) hielten mich in der Folgezeit regelmäßig per E-Mails über alles Wichtige auf dem Laufenden.
Im nächsten Schritt ließ ich mich vom Akademischen Auslandsamt an der FH über die zu beachtenden Formalitäten des European Region Action Scheme for the Mobility of University Students (ERASMUS)-Programmes informieren. Die dortige Mitarbeiterin versorgte mich ebenfalls mit allen bedeutenden Informationen rund um das Auslandsstudium. Um mich nach einer finanziellen Unterstützung alternativ zur ERASMUS-Förderung zu erkundigen, schrieb ich noch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und das für eine Ausbildungsförderung in Schweden zuständige Studentenwerk in Rostock an.
Für Euch als potentielle zukünftige Outgoer ist sicherlich interessant, dass reine Semesterstipendien nicht mehr vergeben werden und die Kombination einer ERASMUS-Förderung und eines DAAD-Stipendiums grundsätzlich nicht möglich ist. Ob es zu einem Förderungsbetrag kommt, hängt – ähnlich wie beim Inlands-BAföG – von den eigenen Vermögenswerten ab.
Wieder zurück zu meinen Vorbereitungen, habe ich des Weiteren freiwillig den Englisch-Kurs „Intercultural Communication“ (Sprachlevel C1) im Fachsprachenzentrum der FH und das Modul 16.4 im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit – Entwicklung und Umsetzung eines internationalen/interkulturellen Projektes, International Social Work – besucht, mich vor der Abreise noch mit einer Kommilitonin, die bereits in Växjö studiert hat, über deren Erfahrungen ausgetauscht sowie über Bekannte Kontakte zu Einheimischen aufgenommen, um von diesen Unterstützung zu erhalten.

Unterkunft

Bei meiner Ankunft wurde ich von den Växjö International Students (VIS), die die ausländischen Studierenden betreuen, am Bahnhof abgeholt und während des Aufenthaltes an der Gasthochschule konnte ich mich innerhalb der Sprechzeiten an das International Relations Office sowie die bereits erwähnten „Linnéstudenterna“ – vergleichbar mit Fachschaft und AStA bei uns – wenden. Außerdem gab es die Möglichkeiten, am Buddy-Programm sowie am Friend Family Project teilzunehmen, was ich gerne tat. Zwar hat sich für mich leider keine schwedische Familie gefunden, dafür war die Zeit mit meinem Buddy schön. Dieser begleitete mich insbesondere in meinen ersten Tagen in der neuen Umgebung sehr gastfreundlich.
Die Gasthochschule arrangierte außerdem eine Unterkunft für mich, zu welcher ich im Rahmen des Online-Registrierungsprozesses Wünsche äußern konnte. So kam es, dass ich ein Apartment mit Küchenzeile und Bad zusammen mit einem anderen Studenten aus Kanada bewohnte, was insgesamt gut geklappt und mir auch dabei geholfen hat, mein Englisch zu verbessern. Der Mietpreis betrug umgerechnet ca. 300 €/Monat, was als angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis erschien. Bei Fragen oder Problemen bezüglich der Unterkunft half mir die Büroleiterin vor Ort gerne weiter.
Wenn Ihr ebenfalls bei Stubor zur Miete wohnen solltet, müsst Ihr aber auch wissen, dass die Zimmerkontrollen bei Eurem Auszug sehr streng – um nicht zu sagen, übertrieben genau – sein werden. Bei mir war ein Hausmeister, der mit einem Zollstock seiner Ansicht nach schmutzige Stellen auf den Oberflächen anzeigte, mit dem Finger darüber fuhr und mir anschließend etwas Staub vorhielt, was seiner Meinung nach absolut inakzeptabel war und einer Nachreinigung bedurfte. Auch von anderen Personen habe ich gehört, dass es solche Auflagen gab, wenn das Zimmer nicht – wie in der vom Vermieter herausgegebenen Cleaning Instruction beschrieben – im wahrsten Sinne des Wortes blitzeblank hinterlassen wurde. Falls auch Eure Nachreinigung, für die Ihr maximal eine Stunde Zeit bekommt, beanstandet werden sollte, müsst Ihr (ggf. auch die/der MitbewohnerIn) insgesamt ca. 300 € für eine Reinigungsfirma berappen – egal wie lange diese tätig wird. Ich wünsche Euch jetzt schon viel Glück sowie ein sonniges Gemüt!

Studium an der Gasthochschule

Das Studium in Schweden hat mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht und meinen – fachlichen wie persönlichen – Horizont erweitert, obwohl es auf Grund der Sprache, des Inhaltes (ich habe dort nicht Soziale Arbeit, sondern Sozialwissenschaften studiert) und vor allem wegen des hohen Arbeitspensums zeitweise sehr anstrengend gewesen ist. Ich sollte in meinen – sukzessive stattfindenden – Modulen jeweils innerhalb von fünf Wochen 1.250 Seiten lesen und zwei bis drei Hausarbeiten – nicht selten in einer Gruppe – schreiben, was jedes Mal aufs Neue eine besondere Herausforderung darstellte.
Im Übrigen hat es etwas mehr als einen Monat gedauert, bis ich den Lehrveranstaltungen ohne größere Schwierigkeiten folgen und mich relativ sicher auf Englisch ausdrücken konnte. Die Vorlesungen selbst haben sich durch eine hervorragende Qualität sowie eine hohe Fachkompetenz der DozentInnen sowie deren Begeisterung am Lehren und dem Lernen von den Studierenden ausgezeichnet.
Mit der Zeit lernte ich – vor allem dank eines von der örtlichen Volksuniversität angebotenen, kostenfreien Anfänger-Kurses – sogar etwas Schwedisch, tat mich aber nichts-destotrotz weiterhin schwer damit, zusammenhängende Sätze zu sprechen.
Dass nicht immer alles nach Plan läuft, musste ich auch feststellen, als ich vor Ort einen Praktikumsplatz in einer Schule gesucht habe, um dort die Tätigkeit einer Schulsozialarbeiterin kennenzulernen, und schließlich nach einem vielversprechend gelaufenen Vorstellungsgespräch leider noch eine Absage erhielt. Der Arbeitsaufwand, bedeutende Gesprächsinhalte mit SchülerInnen von Schwedisch auf Englisch zu übersetzen, war für die dortige Fachkraft wohl doch ein wenig zu hoch, was ich gut verstehe.

Alltag und Freizeit

Växjö ist wunderschön und stellt „eine gelungene Kombination aus idyllischer Kleinstadt, Universitätsstadt und Freizeit- und Unterhaltungs-Zentrum“1 dar. Ob eine Radtour am See, ein Konzert in der Stadt, ein gemütlicher Einkaufsbummel oder das Mitfiebern in den brandneuen Arenen des örtlichen Fußball- und Eishockeyteams – die grünste Stadt Europas mit über 80.000 Einwohnern hat garantiert für Alle etwas zu bieten.
An dieser Stelle kann ich Euch aber den Hinweis nicht ersparen, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Schweden deutlich höher sind als hierzulande. Die Miete mit eingerechnet, habe ich monatlich ca. 500-600 € aufgewendet. Deshalb hier ein paar Tipps für Sparfüchse und -füchsinnen: Statt des Mineralwassers im Supermarkt lieber das qualitativ gute Hahnwasser trinken. Im Übrigen lohnt sich die Anschaffung von größeren Mengen an Vorräten wie z. B. 3 kg Nudeln und die (Entdeckung der) Liebe zum Kochen.
Zum Ausgehen empfehle ich auf dem Campus das Restaurant Stenladan. Dort gibt es für StudentInnen Montags bis Freitags von 11:30-14 Uhr ein „All you can eat“-Menü zum ermäßigten Preis von ca. 6,50 €. Alternativ bietet die Pizzeria Excelle in der Stadt – direkt gegenüber vom Bahnhof – Montags bis Freitags von 10:30-15 Uhr ein leckeres Menü (wahlweise Pizza, Kebab oder großer Salat) mit Getränk und Krautsalat zum Preis von ca. 8 € an. Nicht nur die Portionen sind dort groß, auch die Qualität überzeugt.
Wenn’s mal schnell gehen soll, lohnt es sich auch, beim Imbissstand „Svenska Kebabkingen“ in unmittelbarer Nähe des Stubor-Büros sowie der Neubauten im Stallvägen 20-28 (Campus) vorbeizuschauen. Einen großen Hamburger und Pommes frites, auf Wunsch mit einer köstlichen, hausgemachten Soße, gibt es hier für ca. 7 €. Ein wenig Glück müsst Ihr allerdings haben, den netten Verkäufer tatsächlich anzutreffen, denn dessen Öffnungszeiten dürfen nur als grobe Richtlinie verstanden werden. Abraten möchte ich dagegen von einem Besuch im Restaurant Maestro auf dem Campus. Dort wurde ich bei einer Anfrage nach einem vegetarischen Döner sehr unfreundlich behandelt und nach meiner Anmerkung, dass das ausgegebene Essen nicht das sei, was ich bestellt hatte, sogar der Örtlichkeit verwiesen.
Auch die Party-Freunde kommen in Växjö definitiv auf ihre Kosten – sei es in den direkt auf dem Campus gelegenen, von Studierenden betriebenen Pubs Sivans und (Slotts)Stallarna, bei den vielfältigen Angeboten von den VIS oder privat organisierten, feucht-fröhlichen Ausflügen. Aber auch die eher ruhigeren Zeitgenossen werden bei den zahlreich vorhandenen sozialen Anlaufstellen auf dem Campus schnell fündig. Neben „Linnéstudenterna” unterbreiten die sechs Student Nations ihren Mitgliedern gegen einen Unkostenbeitrag diverse Angebote.
Des Weiteren bestehen noch viele Student Associations wie z. B. GAIN, die sich zweimal wöchentlich zu Brettspiel-Abenden im Stu­dentencafé Tufvan treffen. Dadurch lassen sich recht unkompliziert Kontakte, auch zu Einheimischen knüpfen. Wer – so wie ich – den Kurs „Peace and Development Studies I“ belegt, trifft zudem automatisch auf viele SchwedInnen, mit denen sich das Zusammenleben als überwiegend positiv erwiesen hat.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ihr die Gelegenheit bekommen sollt, Eure eigenen – positiven wie negativen – Erfahrungen zu sammeln. Entdeckt Växjö & Schweden und lernt dabei interessante Menschen aus der ganzen Welt kennen! Wenn Ihr, liebe Leserinnen und Leser, noch Fragen zu meinem Auslandssemester habt, dürft Ihr mich gerne unter meiner E-Mail-Adresse klein_simon@gmx.de kontaktieren. Ich bin gerne bereit, mich bei Gelegenheit mit Euch zusammenzusetzen und darüber zu sprechen.

Fazit

Ich weiß bereits heute, dass ich eines Tages nach Växjö zurückkehren möchte, zumindest, um einigen meiner WeggefährtInnen einen Besuch abzustatten, und vielleicht auch, um dort ein Master-Programm in Peace and Development zu belegen. Hinter mir liegt eine unvergessliche Zeit, die mich in vielerlei Hinsicht bereichert, geprägt und zum Positiven verändert hat – und zwar, was das Studieren, das gemeinsame Wohnen und vor allem das Leben an sich betrifft.
Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich die Gelegenheit hatte, diese ganzen Erfahrungen zu machen, die ich mit zurück nach Deutschland genommen habe. Und dafür gebührt allen, die mir dies ermöglicht und mich darin unterstützt haben, abschließend ein besonders großes Dankeschön. Ohne Euch wäre das alles nicht möglich gewesen, denn Ihr wart es, die die Zeit in Schweden für mich zu so viel mehr gemacht haben als nur zu einem Auslandssemester – das, was ich hier erleben durfte, war ein großes, äußerst kostbares Geschenk, das ich ganz feste und für immer in meinem Herzen bewahren werde.

Simon Klein
B.A. Soziale Arbeit
Växjö
Winterseemester 2012/2013
Auslandssemester