Auslandssemester an der Uniwersytet Jagiellonski in Krakau, Polen

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Ich absolvierte mein ERASMUS-Semester als Student der Sozialen Arbeit (B.A.) im 3. Fachsemester (Wintersemester 2012/13) und entschied mich für die Jagiellonen-Universität in Krakau, Polen.
Zuvor besuchte ich einen vierwöchigen Intensiv-Sprachkurs über das DAAD-Stipendium in Danzig. Die Strecke von Deutschland nach Polen wurde von mir mit dem privaten PKW zurückgelegt und vor Ort mietete ich mich auf einem Campingplatz ein, da die geforderten Mietkosten durch die Sprachschule in Danzig deutlich zu hoch angesetzt waren. Mit dem in Danzig angebotenen Intensiv-Sprachkurs war ich sehr zufrieden und würde ihn jedem empfehlen, der plant ohne Vorkenntnisse nach Polen zu gehen.

Danach fuhr ich nach Süden, Richtung Krakau, um mich kurz vor Beginn des Wintersemesters an der Universität zu melden und einzuschreiben. Zuständige des ERASMUS-Büros waren während meines Aufenthalts an der Jagiellonen-Universität vor allem Frau Magdalena Czech und Herr Krzysztof Byrski. Da mir in Krakau keinen Platz in einem der Studentenwohnheime vermittelt werden konnte, entschied ich mich dazu preisgünstig in einem der Krakauer Hostels unterzukommen. Bis zum Ende meines Auslands-Semesters sollte ich insgesamt drei verschiedene Hostels kennenlernen, da die vorherigen Unterkünfte geschlossen wurden.

In den ersten Wochen des Wintersemesters veranstaltete das ERASMUS-Büro eine so genannte Orientierungswoche. Während dieser Woche sollten die ERASMUS-Studenten mit der Universität, dem Campus, der Stadt und der Umgebung vertraut gemacht werden. Da in dieser Zeit aber schon die regulären Vorlesungsveranstaltungen begonnen hatten, war es nicht immer einfach beides aufeinander abzustimmen und so musste man sich häufig zwischen Orientierungswoche und Vorlesung entscheiden.
2Hierbei wurde einem die Entscheidung aber auch manchmal durch die Tatsache abgenommen, dass viele Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in Krakau und der Umgebung auf eine gewisse Teilnehmerzahl beschränkt wurden. Ansonsten bestand im Vorfeld die Möglichkeit sich für ein Mentorenprogramm anzumelden. Dieses empfand ich vor allem in der Anfangsphase als extrem hilfreich, denn dadurch konnten einige allgemeine Fragen schnell und unabhängig von den Sprechstundenzeiten der ERASMUS-Koordinatoren mit der zuständigen Mentorin geklärt werden.
Im weiteren Verlauf des Wintersemesters besuchte ich unter anderem die Fakultäten für Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften, da der Studiengang Sozialen Arbeit in Polen nicht angeboten wird. Die belegten Seminare und Veranstaltungen trugen Bezeichnungen wie: „Psychology of intelectual disability“, „Stereotypes and prejudice“, „Sociology of organized crime“, „Polish society through documentary film“ oder „Polish penalty law“ und wurden ausschließlich in Englisch abgehalten.

3Rückblickend betrachtet war das englischsprachige Studienangebot sehr reichhaltig und jeder ERASMUS-Student verfügte über die Möglichkeit sein Semester nach eigenen Wünschen und Vorlieben zu gestalten. Allerdings wurden die ausländischen Studenten auf diese Weise ein wenig von den polnischen Studenten isoliert, da die einheimischen Studenten in der Regel polnischsprachige Vorlesungen besuchten und eher selten in den englischsprachigen Veranstaltungen anzutreffen waren. Diese Tatsache machte es verhältnismäßig schwierig mit polnischen Studenten in Kontakt zu treten und sorgte dafür, dass die ERASMUS-Studenten eher unter sich blieben.

Mit dem Inhalt und der Gestaltung der englischsprachigen Seminare durch die Lehrkräfte war ich äußerst zufrieden, wobei meine Erfahrungen an den Fakultäten für Psychologie und Rechtswissenschaften deutlich positiver ausfielen als an der Fakultät für Soziologie. Darüber hinaus besuchte ich einen Polnisch-Sprachkurs für Anfänger (Level A1.2), der zwar über die Universität angeboten wurde, aber selbst finanziert werden musste (ca. 150 Euro für das Wintersemester).
4Außerdem ist zu erwähnen, dass die Universität auch über ein breit gefächertes und kostengünstiges Sportangebot verfügt, mit dem ich ebenfalls sehr zufrieden war. Diese Angebote waren als ERASMUS-Student ohne polnisch Vorkenntnisse allerdings nicht immer leicht zu finden, da sie üblicherweise an Aushängen oder im Internet in polnischer Sprache zu finden sind.

Auf Grund der wirtschaftlichen Lage Polens waren meine Lebenserhaltungskosten in Polen deutlich geringer als in Deutschland. Der durchschnittliche Preis eines Mittagessens, inklusive Hauptgericht, Beilagensalat und Nachtisch, betrug in einer Krakauer Kantine umgerechnet etwa 2-3 Euro. Trotzdem ließen sich finanzielle Probleme, während meines ERASMUS-Semesters (vor allem in den Anfangsmonaten) nicht vermeiden, da sich die Zahlungen durch das ERASMUS-Stipendium verzögerten.

5Darüber hinaus war es mir nicht möglich gewesen, den Antrag für das Auslands-Bafög frühzeitig einzureichen, da ich meine Zusage für das ERASMUS-Semester erst relativ spät erhielt, was wiederum zu weiteren Komplikationen führte. An dieser Stelle sollte auch darauf hingewiesen werden, dass sich einige wenige ERASMUS-Studenten gezwungen sahen einen Kredit aufzunehmen, um solche finanziellen Engpässe während ihres Auslands-Semesters zu bewältigen.

Doch trotz einigen Kritikpunkten an der Umsetzung des ERASMUS-Programms, war das absolvierte Auslandssemester eine großartige Erfahrung die mein Studium bereichern konnte. Es hat mir nicht nur ermöglicht, eine neue Fremdsprache zu erlernen und eine andere Kultur kennen zu lernen, sondern auch interessante Menschen aus ganz Europa zu treffen und einen kleinen Einblick in andere Studiengänge zu gewinnen.

6Dazu kommt, dass Krakau meiner Meinung nach eine sehr lebhafte und für Studenten äußerst interessante Stadt ist. Sie bietet beispielsweise zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Alltag abwechslungsreich zu gestalten, ganz egal ob man sich eher für die historischen Bauwerke und Museen, die vielen gemütlichen Cafés oder das bunte Nachtleben begeistern kann.

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Kai Kokosza
B.A. Soziale Arbeit
Krakau, Polen (Uniwersytet Jagiellonski)
Wintersemester 2012/ 2013
Auslandssemester
 
 
 
 
 

 

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